· 

Die Meditationsmythen - wahr oder nicht?

Wenn jemand, der nicht regelmässig meditiert, an Meditation denkt, halten sich hartnäckig einige „Mythen“. Diese Mythen sind es, die die Menschen daran hindern, mit der Meditation zu starten, auch wenn sie vielleicht ahnen würde, dass Meditation ihnen gut tun würde.

 

Mythos Nr. 1: Herumsitzen & Nichtstun ist unproduktiv und Zeitverschwendung

Ja und Nein. Ja, in der Zeit, in der du einfach rumsitzt, kannst du keine „Tasks“ erledigen. Insofern ist es unproduktiv. Aber vielleicht ist deine Wertung über Produktivität und Unproduktivität einfach zu kurzsichtig und zu eng gefasst? Denn wenn wir das genauer anschauen ist es so:

 

Herumsitzen und Nichtstun ist eine Wohltat und ZWINGEND NÖTIG für das Gehirn und den Körper, um die Stresshormone abzubauen und um KREATIV zu werden.

Häh? Warum werden wir durchs Nichtstun kreativ? Wie das?

 

Nun: Im Stress-Modus ist unsere Grosshirnrinde, welche kreative Lösungen produzieren kann NICHT aktiv. Sondern im Stressmodus ist nur das Stammhirn aktiv, also unser Überlebensmodus. Das Stammhirn wird auch gern unser Reptiliengehirn genannt, weil es noch aus dieser Zeit stammt. Es hat nur die elementarsten Flucht/Kampf/Gefahr/Angst-Elemente, die es verarbeiten kann. Wir merken, dass wir mit dem Reptilien-Hirn funktionieren, wenn wir den sogenannten „Tunnelblick“ bekommen.

 

In Stress-Situationen – als wir früher noch vor dem Säbelzahn-Tiger flüchten mussten – wurden die Ressourcen also auf das Stammhirn reduziert, damit wir kämpfen oder flüchten konnten. Wir waren dann nicht bereit und in der Lage, eloquente, kreative Lösungen zu erarbeiten - also zum Beispiel darüber zu debattieren, welche Färbung das Fell des Tigers hatte. Sondern das taten wir, wenn wir dem Säbelzahntiger entflohen waren, uns beruhigt hatten und aus der entspannten Situation heraus überlegen konnten: Was machen wir nächstes Mal besser?

 

Erst wenn die Stresshormone abgebaut sind, wird die Grosshirnrinde wieder mit Blut versorgt und ist somit in der Lage, zu funktionieren. Und uns somit mit KREATIVEN Lösungen und Ideen NACHHALTIG weiterzubringen.

 

Also ja, kurzfristig gesehen ist das Herumsitzen unproduktiv. Aber langfristig gesehen ist das Herumsitzen essentiell, um tragfähige, kreative, konstruktive Lösungen zu erschaffen.

Mythos Nr. 2: Meditation muss mindestens 1 Stunde dauern

Äh nein, muss sie nicht. Ich weiss, dass die alten Traditionen ist Asien von stundenlanger Meditationspraxis erzählen. Doch du darfst eines nicht vergessen: Andere Kulturen, andere Sitten, andere Tempi. Die Mönche sitzen stundenlang, weil sie es können und sich dem auch verschrieben haben. Wie die westlichen Mönche stundenlang beten und wandern. Doch das ist IHR Leben, nicht deines.

 

Die Frage ist eher: Wie kannst DU die Meditation einfach und praktisch in deinen Alltag einbauen, damit du in den Genuss des Nutzens kommst? Der Nutzen ist a) Entspannung, b) Pause, c) Ruhe im Kopf, d) mehr Gelassenheit.

 

Ich finde, Meditation ist am effektivsten, wenn es alltagstauglich eingebaut werden kann. Also zum Beispiel 2 Minuten beim Zähneputzen. Oder bei der Zugfahrt, oder bei der Tramfahrt, oder beim Weg zum Bus. So dass du JEDEN TAG an Meditation erinnert wirst und sie auch praktizierst. So wie du heute nicht mehr daran denken musst, dass du Zähne putzen musst. Du tust es einfach. Und so bleiben die Zähne dann auch nachhaltig gesund und kräftig. Wenn du sie hingegen nur alle 2 Wochen für 1 Stunde putzt, na dann brauchst du wohl bald ein Gebiss…

 

Unsere Zähne werden jeden Tag mit „Dreck“ konfrontiert und wollen davon „befreit“ werden, damit sie uns lange erhalten bleiben. Genauso geht es mit unserem Gehirn: Jeden Tag kommt Dreck drauf – und den wollen wir entfernen, damit unser Hirn uns lange erhalten bleibt, wir gut schlafen und gelassen mit unseren Mitmenschen umgehen können.

 

Also meine Einladung an dich: Meditiere täglich 2 Minuten – oder versuche zumindest einfach achtsam zu sein beim a) Zähneputzen, b) Kaffeetrinken etc.

Mythos Nr. 3: In der Meditation muss man an nichts denken

Hier verwechseln wir das sich einstellende Resultat mit dem Ziel das es zu erreichen gilt… Was ist der Unterschied?

  • Das sich einstellende Resultat: Wenn du jeden Tag regelmässig meditierst, wird sich irgendwann dann einmal ein Moment einstellen, an dem du einfach mal an nichts gedacht hast. Kaum fällt dir das auf, ist der Moment bereits wieder vorbei. Vielleicht kommt er wieder, vielleicht auch nicht. Es ist auch nicht so wichtig. Schau dir diesen Moment der Gedankenstille eher an wie einen Schmetterling, manchmal kommt er, manchmal nicht. Erfreue dich, wenn er da ist, aber versuche ihn nicht festzuhalten.
  • Das Ziel, das es zu erreichen gibt: In der Meditation gibt es nur 1 Ziel. Und zwar: Achtsam sein. Ganz präsent sein. Bei dir sein, ganz ohne Wertung, ohne Verurteilen.

In der Meditation darfst du also einfach deine Gedanken beobachten – und sie weiterziehen lassen. Und sei auch nicht zu streng mit dir selber. Wenn du bei einer Meditation mal nicht entspannen konntest – auch das ist Meditation. Sich hinzusetzen und es zu versuchen. Alleine das zählt. Es ist mentales und emotionales Training: Immer wieder versuchen, schauen was geht, schauen, wie es besser geht, akzeptieren wie die Tagesform ist, und es am nächsten Tag wieder versuchen. Erst durch dieses regelmässige Training kommt der „Erfolg“.

Mythos Nr. 4: Meditation ist schwierig

Wenn du Meditation als Zustand des Nicht-Denkens anschaust, kann er dir schwierig erscheinen. Wenn du aber Meditation als Zustand der Präsenz, des Annehmen-was-ist und Achtsamkeit anschaust, dann ist Meditation gar nicht so einfach. Denn sogar Kinder können einfach im Jetzt sein, präsent und ohne Urteil. Also kann es so schwierig nicht sein. ;)

 

 

Mythos Nr. 5: In der Meditation muss man still im Lotussitz sitzen

So ein Quatsch. Meditation kannst du im Liegen, sitzen oder im Stehen absolvieren. Oder beim Reiten, oder beim Malen. Meditation ist ein Zustand des Seins, des Präsent-Seins, also unabhängig davon, was du tust.

 

Warum ist der Lotussitz denn so „wichtig“? Nun, er der Lotussitz hat, falls du beweglich genug bist, durchaus seine Vorteile. Und zwar:

 

1. Du musst zuerst mal genug beweglich sein, um in den Lotussitz zu kommen ohne deine Knie zu ruinieren (das tun leider ganz viele…)

 

2. Die Magie des Lotussitz ist ein ganz einfacher: Das Gewicht der gekreuzten Unterschenkel drückt auf den Oberschenkel – und lässt somit den Hüftbeuger entspannen. Teste es mal, wenn du im Schneidersitz bist und jemand anders drückt dir die Oberschenkel Richtung Boden. Ist das nicht gleich viel entspannter?

Mythos Nr. 6: Meditation ist religiös

Meditation ist eine spirituelle Praxis, welche alle Religionen akzeptiert. Denn wir versuchen in der Meditation einfach zu UNS SELBER zu kommen. Zu beobachten, die Gedanken ziehen zu lassen. Dem Hirn eine Pause zu gönnen. Du brauchst weder Gott abzuschwören, noch brauchst du die yogischen/buddhistischen Gebete zitieren. Sei einfach ganz präsent im Moment.

Mythos Nr. 7: Meditation lässt alle Sorgen & Schmerzen verschwinden

Meditation kann: Dich vom Schmerz ablenken. Meditation kann dich einen Tag nach dem anderen nehmen. Meditation kann dich nach dem Schmerz bzw. durch den Schmerz zu deinem wahren SELBST führen. Aber Meditation nimmt nicht per se den Liebeskummer weg – sondern Meditation lässt dich den Fokus auf was ANDERES richten, damit du den Moment besser überstehen kannst. Und zum geeigneten Zeitpunkt lässt dich die Meditation die Dinge sehen, die es anzunehmen oder zu ändern gilt. An dir selber oder an den Umständen.

 

Meditation ist keine Wunderpille, die

  • Alles schöner
  • Schmerz verschwinden lässt
  • Nur das das Gute sehen lässt

Meditation zeigt auf, was ist. Ob das schön ist oder nicht, das entscheidest DU. Denn Meditation wertet und urteilt nicht. Wenn du zur Eifersucht neigst aufgrund deines mangelnden Selbstwertgefühls… dann wird sich das in der Meditation zeigen. Die Eifersucht verschwindet nicht aufgrund der Meditation. Sondern nach und nach verschwindet die Eifersucht, weil du

  • Den Grund für die Eifersucht in dir drin erkennst
  • Dir den Selbstwert/die Selbstliebe selber schenken kannst
  • Und nicht mehr von der Liebe anderer abhängig bist.

Mythos Nr. 8: Ich muss alles aus Asien übernehmen, wenn ich mit Meditation starten will

Meditation ist ein Zustand, angepasst auf die Lebensumstände der Menschen die meditieren wollen. In Asien wird es anders gelebt als in Europa – andere Länder, andere Sitten, andere Lebensrhythmen und Lebensumstände.

 

Und ich finde, du kannst nicht 1:1 einfach etwas übernehmen - und erwarten, dass dieselbe Technik unter anderen Umständen und anderen Personen genausogut funktioniert. Du musst es anpassen. Und genau das tue ich - Meditation aus dem Osten anpassen für die Menschen im Westen. So dass der NUTZEN übertragen wird, ohne dass du asiatische Riten übernehmen MUSST. Blindes Kopieren ist auch nicht zwingend erwünscht. Hierzu der Blogpost über die Buddhaköpfe