Meditation – auch bei sehr herausfordernden Lebenssituationen eine Stütze

Wenn man den Medien glaubt, ist Meditation ein Wundermittel. Was auch stimmt. Doch Meditation ist keine Instant-Lösung. Wenn aber regelmässig praktiziert, kann Meditation eine wichtige Stütze im Leben sein. Auch bei sehr herausfordernden Lebenssituationen.

 

Heute möchte ich das Wort einer bewundernswerten jungen Frau geben, die trotz seltener rheumatischer Krankheit ihre Freude und ihren Lebensmut nicht verloren hat. Auch dank ihrer Meditationspraxis: Sarah.

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© Rheumaliga Schweiz

Mein Name ist Sarah Degiacomi, geboren 1988, Mutter eines kleinen Sohnes, ausgebildete Sozialarbeiterin FH, sowie Yoga- und Meditationslehrerin. Seit dem 13. Lebensjahr bin ich von einer seltenen rheumatischen Krankheit (juvenile Dermatomyositis) betroffen und habe schon etliche Berg- und Talfahrten hinter mir. Meditation und Yoga sind seit mehr als 15 Jahren ein fester und wichtiger Bestandteil meines Lebens.

 

In anspruchsvollen Zeiten hilft mir Meditation.

Inwiefern hilft mir Meditation?

Der grösste Schlüssel für mich, um den Alltag mit dieser seltenen rheumatischen Krankheit zu meistern und gestalten liegt für mich in tiefer Dankbarkeit. Durch die Meditation finde ich Frieden, innere Ruhe, Gelassenheit, sowie Zuversicht und schlussendlich Dankbarkeit über das, was gerade ist. Meditation und somit das Gefühl der Dankbarkeit verhelfen mir dazu vieles, was sich nicht ändern lässt, zu akzeptieren und anzunehmen. Durch meine Krankheitserfahrung fand ich vor mehr als 15 Jahren zur Meditation und so zum Yoga. Gerade in für mich schwierigeren Zeiten hilft mir Meditation mich mental zu stärken und meinen Blickwinkel anzupassen. Gedanken können in andere Bahnen gelenkt werden und die Bedeutung mancher Situationen oder Zustände verändern sich und dadurch auch die Gefühlslage und somit das was wir mit dem Erlebten verbinden.

 

Meditation hilft im Hier und Jetzt zu sein und weniger zu werten – was schlussendlich ruhiger und zufriedener macht, trotz widriger Umstände. Wir Menschen sind so veranlagt, dass wir ständig das Erlebte und Gehörte be- und werten müssen. Es ist eine Tugend Situationen, Erlebtes, Dinge, Gedanken, Gefühle usw. einfach hinzunehmen ohne gleich eine Bewertung, Hoffnung, Anforderung oder einen Wunsch daraus zu entwickeln oder zu entgegnen. Meditation, natürlich in stetiger Übung über längere Zeit, hilft dabei sich von diesen Anhaftungen zu entfernen und friedvoller zu werden. Können wir uns von diesen Anhaftungen befreien werden wir uns freier und leichter fühlen. Durch die stetige Übung der Meditation kann, wenn gewollt, erkannt werden, dass es in unserer Welt noch mehr gibt als die Dinge, auf welche wir gerade fokussiert sind. Die Dinge können ihre Bedeutung verändern, Gefühle und die Verbindung zum Erlebten können sich verändern. Auf lange Sicht gibt es einen Gewinn an Ausgeglichenheit und tiefem innerem Frieden.

 

 

Was kann Meditation bei Rheuma bewirken?

Krankheit wird in unserer modernen Welt immer als etwas Negatives assoziiert, als etwas das einem fehlt. Dadurch geschieht in meinen Augen das «Ungesunde» - die Konzentration auf die für uns negativen Ereignisse, Erlebnisse. Durch diese Konzentration wird das gesamte Thema grösser und nimmt viel mehr Raum ein, als es möglicherweise benötigt. Viele Gedankenkreise und mögliche gefühlsmässige Abwärtsspiralen begleiten oftmals das Thema Krankheit. Es werden viele Fragen gestellt, ohne jemals wirklich befriedigende Antworten gefunden zu haben. Zudem ist Krankheit etwas, das wir weghaben möchten. Doch durch diese starke Anhaftung an diesen Wunsch, passiert vor allem, dass wir der Sache mehr Energie zuwenden als nötig. Können wir uns von der Anhaftung lösen, dass wir dies unbedingt anders haben wollen, haben wir wieder mehr Energie für anderes frei. Aus dem Tunnelblick des Negativen, wird ein offener gesamthafter Blick. Es kann so erkannt werden, dass es auch noch gesunde Anteile gibt und dass eine Krankheit zwar ist und ihren Platz hat, aber nicht den Menschen allein ausmacht, auch wenn sie zeitweise das Leben eines Menschen stark bestimmt und einschränkt. Es ist die Kunst das grosse Ganze zu sehen und nicht nur den einen schmerzhaften Anteil.

 

Wie fühle ich mich beim Meditieren?

Durch die Weite dieses Blickes und den Perspektivenwechsel entfernt man sich von der Anhaftung. Verschiedene Mediationstechniken können helfen, gelassener zu werden und ruhiger mit schwierigen Situationen oder in meinem Fall, einer chronischen Krankheit umzugehen und zu akzeptieren. Es heisst nicht, dass man nicht auch Tage erlebt, an denen man die Erlebnisse oder Situationen schwierig findet oder schwer verkraften kann. Doch durch einen soliden Boden der stetigen Übung der Meditation, kann man schneller wieder zurück in die Mitte, zur Ausgeglichenheit und der tiefen inneren Zufriedenheit sowie dem absoluten inneren Frieden finden. Dieses Gefühl ist bei mir mit einem süsslichen Geschmack verbunden und einem Gefühl des schwerelosen Gleitens. Es ist ein Ankommen im Hier und Jetzt. Dort spielen all die negativen und positiven Faktoren, oder eben Krankheiten und Gesundheitszustände, keine Rolle.

 

Was gibt mir das Meditieren?

Meditation erweitert meinen Horizont und bringt mir Balance und mich weg von der Anhaftung an Wünsche, Ideen oder sogar Erwartungen. Dadurch finde ich zu einer inneren Ruhe und Zufriedenheit und zu tiefer Dankbarkeit. Dankbarkeit ist in meinen Augen einer der schönsten und wertvollsten Gefühle und Zustände. Und es gibt so vieles, wofür oder worüber man dankbar sein kann.